Mehr Zeit für Sicherheit und Warnwesten

Der ADAC moniert, dass es für die Verkehrserziehung von Jugendlichen an den Schulen viel zu wenig Zeit gebe, statt auf dem Stundenplan zustehen, würden meist nur einzelne Aktionstage angeboten.

Der ADAC bietet Grundschulen und Kindergärten die Aktion „Aufgepasst mit ADACUS“ an (Foto: ADAC)

Der ADAC bietet Grundschulen und Kindergärten die Aktion „Aufgepasst mit ADACUS“ an (Foto: ADAC)

Mit dem Vorschlaghammer beispielsweise betreibt Reinhold Faiß Verkehrserziehung. Am Esslinger Mörike-Gymnasium wird jeder Schüler mit diesem Werkzeug ausgestattet, mit dem sich kraftvoll zuschlagen lässt.

Ein Holzkopf, der über Sensoren verfügt, ist das Ziel des Anschlags. Die Schüler können auf einem Computerbildschirm anschließend erkennen, welche Folgen ein Aufprall hat, der mit vergleichbarer Wucht stattfindet. Dies kann zum Beispiel bei einem Sturz vom Rad passieren und entsprechende Auswirkungen auf die Gesundheit haben.

Nachdem der Holzkopf einen Helm aufgezogen bekommen hat, dürfen die Schüler noch einmal zuhauen: statt einer mittelschweren Gehirnerschütterung würde es mit Helm wohl nur noch eine große Beule geben.

Beim Aktionstag „Schütze Dein Bestes!“ ist der Holzkopf nur eine Anlaufstation, an der Jugendliche erkennen sollen, wie wichtig das Tragen eines Helms ist.  Die Veranstaltung ist sinnvoll, dennoch ist der ADAC der Überzeugung, dass mit einzelnen Aktionen, die oft kurz vor den Sommerferien und nach Notenschluss ins Leben gerufen werden, die Schüler nicht wirklich auf die täglichen Verkehrsherausforderungen präpariert werden können.

Auch der Deutsche Lehrerverbands hat hier seine Zweifel: „Projekte nehmen oft nur eine Abhak- und Alibifunktion ein. Auch ein Lehrer des Esslinger Gymnasium verrät, dass im stressigen Schulalltag kaum Zeit für Themen rund um Mobilität und Sicherheit bleibe.
Entsprechend wird die Situation vom Verkehrspsychologin an der TU Dresden, Dr. Bernhard Schlag, kritisch unter die Lupe genommen.

Bei der Verkehrserziehung sei schon vor 30 Jahren fast nichts gemacht worden. „Die Situation hat sich seitdem sogar noch verschlechtert. Mittel-, Gesamt-, Berufsschulen oder Gymnasien haben viel zu wenig Angebote für Kinder und Jugendliche, die aus der Grundschule kommen und ihren Lebensraum mit Roller, Moped, Fahrrad, Bahn und Bus erweitern, sehr oft alleine unterwegs sind und sich ganz neuen Risiken gegenübersehen.“

Die Kultusministerkonferenz hat mit der Empfehlung zur Mobilitäts- und Verkehrserziehung in der Schule eigentlich deutlich gemacht, wie es anders gehen soll, um den Kindern beizubringen, wie sie verantwortungsvoll am Straßenverkehr teilnehmen können, sich umweltbewusst, selbstständig und sicher verhalten.

Die Universitäten sind für ADAC-Verkehrspädagogin Beate Pappritz ein Teil der mangelhaften Umsetzung dieser Empfehlungen, „da dort die Mobilität in der Lehrerausbildung oft nur auf dem Papier stattfindet. Es gibt jedoch genug Möglichkeiten im Unterricht, die Verkehrssicherheit zu thematisieren, beispielsweise könnten im Ethik- oder Religionsunterricht Schüler die Konfliktpunkte zwischen Fußgängern und Radfahrern diskutieren und dabei viel über Rücksichtnahme und Toleranz lernen. Außerdem lassen sich im Physikunterricht anhand von Roller oder Mofa Kraft-Entwicklung und Bremsweg nachvollziehen.“

In der Reihe „Signale“, die der ADAC veröffentlicht, finden Lehrer viele weitere Anregungen. Bei der Unterrichtseinheit des ADAC „Achtung Auto!“ hingegen erfahren Schüler der fünften und sechsten Klassen, wie sie den Anhalteweg eines Kfz richtig einschätzen können, und dass das Anschnallen lebenswichtig ist.

Die Akademie für Lehrerfortbildung in Dillingen hat zudem auf ihrer Webseite für die verschiedenen Jahrgangsstufen und Schulfächer Vorschläge präsentiert. Für die Sicherheit- und Verkehrserziehung dort ist Stefan Post verantwortlich, er gibt zu bedenken, dass die Umsetzung im Unterricht immer vom Interesse des jeweiligen Lehrers abhängig sei. „Und natürlich auch vom Elternvorbild.“

Missachteten die beim täglichen Bring- und Holdienst nämlich das Parkverbot vor der Schule oder fahren Fahrrad ohne Helm (dafür aber mit Kopfhörer im Ohr), würden auch die Kinder trotz bester Verkehrserziehung nicht zu vernünftigen Verkehrsteilnehmern.
Vor allem an weiterführenden Schulen gebe es nach Aussage der Experten noch sehr viele Defizite bei der Verkehrserziehung, die Grundschulen hingegen würden schon gute Arbeit leisten. So haben Verkehrsschilder, Ampeln, Zebrastreifen und Auto eigentlich ihren fixen Platz im Unterricht.

Die Fahrradprüfung gehört ebenso zum Stundenplan, wie der regelmäßige Besuch von Verkehrspolizisten. Von der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) kommt Dr. Nicola Neumann-Opitz zum Fazit, dass sich an Grundschulen zeige, dass man umso mehr bei einem Thema hängen bleibe, je näher es sich an der Lebenswirklichkeit der Kinder befinde.

Das trifft auch auf die Warnwesten vom ADAC zu, die die Stiftung „Gelber Engel“ jedes Jahr an Grundschulkinder verteilt. Mitte September wurden hier wieder gut 16.000 Grundschulen berücksichtigt, die 50.000 signalgelben Warnwesten wurden an Erstklässler verschickt, die dafür sorgen werden, dass die Kinder auch in den dunklen Herbst- und Wintermonaten von den Autofahrern schon aus der Ferne sichtbar werden.

Außerdem bietet der ADAC Grundschulen und Kindergärten die Aktion „Aufgepasst mit ADACUS“ an, hier können sich die kleinen Fußgänger an ihre Rolle heran tasten. Mit vielen Grundschulen veranstaltet der Club auch Fahrradturniere, diese orientieren sich an den Anforderungen des Straßenverkehrs.

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