Elternlotsen mit Warnwesten in Diedenbergen

Elternlotsen helfen Kindern mit Kelle und Warnweste an gefährlichen Kreuzungen in Diedenbergen jeden Morgen dabei, sicher zu Schule zu gelangen.

Auch am Zebrastreifen heißt es Obacht geben! (Foto: Rudolpho Duba  / pixelio.de)

Auch am Zebrastreifen heißt es Obacht geben! (Foto: Rudolpho Duba / pixelio.de)

Schon morgens um 7.30 Uhr startet zum Beispiel Michael Müllers Einsatz, damit auf Diedenbergens Straßen mehr Sicherheit einkehrt. Er kleidet sich dann in seine gelbe Warnweste und stellt sich mit seiner roten Kelle an eine der vier Kreuzungen, die für Grundschüler zur Gefahr mutieren können.

Müller und rund 20 andere Freiwillige nennen sich Elternlotsen, all ihre Kinder gehen auf die Philipp-Keim -Grundschule, man wolle den Schulweg sicherer machen, so Müller. Der Vater von drei Schulkindern steht an einem kalten Morgen an der Ecke Wildsachsener Straße/Ländchesweg am Zebrastreifen, während sein Atem kleine Wölkchen bildet. Sein Blick wandert immer wieder die Straße hinauf, weil er nach Schülern Ausschau hält.

Parallel beobachtet Müller den Verkehr. An den Rand des Zebrastreifens stellt er sich, als sich drei Mädchen nähern. Dann streckt Müller die Keller zur Seite. Brummend zum Stehen kommt ein wuchtiger Geländewagen, der gerade in die Straße abbiegen wollte. Jetzt winkt Müller die Kinder heran, dabei bekommt er von der 9-jährigen Greta ein Lächeln geschenkt. Sie erzählt, dass sie es gut finde, dass dort jemand steht. Die Autos seien oft ganz schön schnell und hielten manchmal am Zebrastreifen nicht. Dann folgt Greta ihren Freundinnen und winkt zum Abschied.

Auch Müller hat schon viele rücksichtslose Autofahrer erlebt. „Deshalb beteilige ich mich an der Initiative. Denn gerne verlassen sich Schulanfänger auf grüne Ampeln und Zebrastreifen und schauen nicht nochmal nach dem Verkehr. Ist die Autobahn dicht und durch den Ort quält sich eine Kfz-Kolonne, ist es besser, wenn wir da sind.“

Dennoch dürfen sich die Elternlotsen trotz Warnweste und Kelle nicht als Hilfspolizisten gerieren. In einer Polizeischulung lernen sie, was erlaubt ist und was nicht. Diese Schulung vermittelt der Förderverein der Schule. Müller erklärt, dass man beispielsweise nicht in den Verkehr eingreifen und nicht an Stellen stehen dürfe, an denen es keine Ampeln, Fußgängerüberwege oder Beschilderung gebe. Jetzt winkt Müller einen älteren Mann freundlich über die Straße: „Man sieht, dass Elternlotsen nicht nur Kindern helfen.“

Nicht ganz klar hingegen ist, wie lange in Diedenbergen schon Elternlotsen für das Wohl der Kinder unterwegs sind. Die ersten Freiwilligen begannen ihr Engagement wohl Ende der 1980er Jahre, wie aus alten Aufzeichnungen ersichtlich ist. Der Deutsche Verkehrssicherheitsrat hingegen hat herausgefunden, dass allerdings dieses Projekt an sich noch viel älter sein muss. Diese Idee war aus den Vereinigten Staaten herüber geschwappt.

Mit der Fließbandfertigung machte Henry Ford 1918 nämlich das Auto für viele Leute erschwinglich, damit stieg nicht nur die Mobilität der Amerikaner, auch die Zahl der Verkehrsunfälle schnellte nach oben. Die ersten Schülerlotsen meldeten sich zehn Jahre später zu ihrem Dienst. Nach dem Zweiten Weltkrieg brachten die Amerikaner im Zuge der Besatzung das Konzept über den Atlantik nach Deutschland, während sich in der DDR ein ähnliches System entwickelte. Im Straßenbild tauchten die Lotsen im Westen allerdings erst um 1956 regelmäßig auf, als Sponsoren die Ausrüstung wie Warnweste, Kelle, Mützen und Umhänge spendierten.

Nie mehr konnte die zwischenzeitliche Spitze von rund 60.000 Lotsen zu Beginn der 1990er Jahre erreicht werden, die Zahl wurde nach der Einführung von Ampeln und Tempo-30-Zonen stets verringert. Eltern für die tägliche Schicht zwischen 7.30 h und 7.55 h zu begeistern, ist auch in Diedenbergen nicht immer unproblematisch. Hauptsächlich übernehmen Väter und Mütter von i-Dötzchen diese Aufgabe. Müller erinnert sich, dass 2013 die Jahrgänge sehr stark gewesen seien, da habe man auch eine große Mannschaft zusammen gehabt. In diesem Jahr seien es ein paar weniger.

Nominiert wurden die Lotsen kürzlich für den Ehrenamtsförderpreis, es gab eine Urkunde und den Händedruck von Landrat Michael Cyriax. Müller hofft, dass so noch mehr Eltern auf das Projekt aufmerksam werden und sich beteiligen, auch wenn ihre Kinder nicht selbst auf die Schule gehen.

 

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