Einsatz in Warnweste für ein sauberes Schleswig

Die „Schleswiger Nachrichten“ berichteten jetzt über Mitglieder der islamischen Ahmadiyya-Gemeinde, die die Straßen der Stadt am Neujahrstag in Warnwesten vom Silvestermüll befreit haben.

Muslimgemeinschaft sammelt seit 17 Jahren Silvester Müll in Warnwesten (Foto: CFalk  / pixelio.de)

Muslimgemeinschaft sammelt seit 17 Jahren Silvester-Müll in Warnwesten (Foto: CFalk / pixelio.de)

Für staunende Blicke Richtung Himmel sorgen die Raketen und das Feuerwerk zu Silvester, am nächsten Morgen ist jedoch alles nur noch Schall und Rauch, was übrig bleibt, ist ein Haufen Müll. Lange nach ihrer Verwendung verfärben die Böller den Asphalt der Straßen noch von Elefanten grau in Mandarinen rot, so dass auch noch Tage nach dem Jahreswechsel, wenn bereits die ersten Vorsätze schon wieder über Bord geworfen worden sind, erkennbar ist, dass das neue Jahr begonnen hat.

Seit 17 Jahren schon sorgt die Jugendorganisation der Ahmadiyya Muslim Jamaat (Muslim-Gemeinschaft) in Schleswig dafür, dass der meiste Müll schon einen Tag nach Neujahr wieder aus dem Straßenbild verschwunden ist. Auch in diesem Jahr trafen sich schon gegen 8 Uhr morgens ältere und jüngere Männer auf dem Hof der Bugenhagen-Schule, um von den Mitarbeitern der Schleswiger Stadtwerke in mittlerweile guter Tradition Handschuhe, blaue Säcke und Müllgreifer zu erhalten.

Es gab allerdings eine wichtige Neuerung im Vergleich zu den Vorjahren, denn dieses Mal streiften sich nicht nur Muslime die orangefarbenen Warnwesten über, „sondern unter den 21 Teilnehmern waren auch drei Gäste“, erklärte Tahir Chaudhry mit Freude im Gesicht, als er von der Unterstützung der Grünen Jugend spricht. Damit sei ein Wunsch, den die Schleswiger Mitglieder der Gemeinde schon seit ein paar Jahren hatten, endlich in Erfüllung gegangen, nämlich dass man gemeinsam einen Neujahrsputz aller Bürger veranstaltet, unabhängig vom Glauben.

An der Aktion beteiligten sich nach Aussage Chaudhrys an der Säuberungsaktion in der ganzen Bundesrepublik rund 5.000 der gut 30.000 Ahmadiyya-Mitglieder in 239 Orten. Auch die jüngsten Müllsammler signalisierten, dass die Arbeit sehr viel Spaß gemacht hatte. Zum zweiten Mal waren zum Beispiel Hozefa (11 Jahre) und Zayan (9) mit von der Partie, mit großem Eifer suchten sie rote Böllerreste und Plastik, um diese mit ihren Greifarmen dann in den blauen Müllsack zu verfrachten. Diesen trug Ammar Ahmad (18) hinter den beiden her.

Mit diesem freiwilligen Arbeitseinsatz werden die Kinder schon früh konfrontiert, in der Gemeinschaft trägt er den arabischen Begriff „Waqar-e-Amal“ (ehrenvolle Arbeit). Im Fokus steht dabei immer der Gedanke, dass das Mit- und Füreinander gefördert und ein Beitrag für die Gesellschaft geleistet werden soll. Deshalb ergeht auch an die Mitbürger eine Einladung, sich an der Müllwegräum-Aktion zu beteiligen. Es gehe aber spätestens seit dem 11. September 2001 auch darum, einem negativen Bild entgegenzuwirken, dass viele Menschen in Deutschland vom Islam haben. Angesichts der Bedrohung des islamischen Staats (ISIS) sei das wichtiger denn je, so Chaudhry.

Leider ist jedoch die Wahrscheinlichkeit nicht gering, dass die 80 Millionen Mitglieder der Reform islamischen Gemeinschaft, die 1889 in Indien gegründet worden ist, selbst zum Ziel der radikalen Islamisten avancieren, da sie in vielen islamischen Ländern als Muslime nicht anerkannt und von den Fanatikern verfolgt werden. Umso glaubwürdiger wird dadurch ihr Einsatz für ein friedliches, menschliches Miteinander.

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